Die Packerei

Sunday, 19. October 2008 12:14

Im Moment ist die Packerei ziemlich anstrengend.
Ich kann fast garnichts tun: ich lese,schlafe,esse,schreibe einen Blog,
gehe zur Schule, kann keine Hausaufgaben machen, habe kein
eigenes Bett, das ist frustrierend.
Ich habe ein bisschen Angst, es ist alles sooo neu.
Du hast echt  keine freie Minute.

Packende Zeiten …seht Ihr?

Neu Seh Land

Sunday, 19. October 2008 00:26

Der Laptop steht auf einem Karton. Für heute ist das Abreißen der Klebebänder verstummt. Packen ist immer eine seltsame Zeit. Ich kann nicht sagen, dass ich körperlich viel leisten würde, aber diese grundlegenden Entscheidungen (Handgepäck oder frühe Auslieferung oder späte Auslieferung oder weg) zehren doch arg an den Kräften. Und natürlich weiß ich, dass die Schränke leer sind, aber das Gefühl hinkt dem Verstand hinterher: wenn mich der Hunger überkommt, dann mache ich die Tür zum Schokoladenschrank trotzdem auf – doch er bleibt leer. Entgegen allen Befürchtungen machen die Packer ihre Sache sehr gut. Sie sind zu fünft und packen viel besser als wir. Im Zweifelsfall sind wir eher im Weg. Ich kann mich also getrost hinsetzen und die Zeit hier Revue passieren lassen.

Einpacken  Schreibtisch  Einladen

Eigentlich war es zuletzt ganz schön. Ja, ja, ich weiß – so sieht man sich wieder. Gegen Ende unseres Aufenthalts schleicht sich doch tatsächlich noch einmal so etwas wie vorsichtiges Wohlwollen in meinen Blick auf China. Wer hätte das gedacht?

Das liegt sicherlich auch darin begründet, dass ich jeder hiesigen Widrigkeit ein innerliches „x Tage und der Rest von heute“ entgegenschmettern kann. In einem klugen Buch habe ich gelesen, dass man bei einem längeren Aufenthalt in Shanghai mindestens sich selbst kennen lernt. Ich zum Beispiel weiss jetzt, dass ich in Bezug auf gewisse äußere Einflüsse ein dünnes Fell habe. Dringt etwa in einem Restaurant dieses Hochziehen von nasalem Phlegma (Magma?) an mein Ohr, jenes chinesischste aller Geräusche, dann unterläuft das meine besten Vorsätze, die kulturellen Unterschiede wertzuschätzen. Wer hat da gerade „Wie kleinlich!“ gerufen? Niemand? Dann war ich es wohl selbst. Jedenfalls hilft mir der Gedanke an unsere baldige Abreise in weit entfernte Gefilde den nötigen inneren Abstand zu schaffen. Aber eben nicht nur.

Die Reise nach Peking und an die Mauer war ein wichtiger Beitrag zu einer Wende in meinem Chinagefühl. Wohlgemerkt, nicht „Kehrtwende“, eher so ein rechter Winkel, aber immerhin.

Die Große Mauer haben wir mit William Lindesay bewandert und das war einfach toll. Der sehr mauer-erfahrene William mit seiner netten Familie, die abgelegene Lokalität, das hervorragende Essen (ja, immer ein überaus wichtiger Faktor), die freundlichen und interessanten anderen Gäste, das Wetter, die gute Luft – es war wundervoll und uneingeschränkt zu empfehlen.

Peking fühlt sich im Vergleich zu Shanghai an wie ein Dorf. Die Menschen scheinen freundlicher, langsamer, weniger gestresst. Wir sind am ersten und am letzten Tag eine ganze Weile durch die Gassen gelaufen und haben uns die Hutongs angeschaut. Wie gerne hätten wir Mäuschen gespielt und beobachtet ohne zu stören (so ganz unsichtbar ist man ja nicht). Im Gegensatz zu weiten Teilen Shanghais hatte man den Eindruck, dass die Menschen versuchen, es sich schön zu machen. Wir hatten Glück, kurz vor Toresschluss noch in die verbotene Stadt zu kommen. Nachdem wir uns durch die ausströmenden Menschenmassen gekämpft hatten, war es angenehm leer, weil alle schon auf dem Tienanmen-Platz waren, um die Flaggenparade mitzuerleben. Das haben wir uns dann nur von weitem angetan. Auch das Olympiagelände haben wir nur aus Distanz besichtigt, auf den Kamerachip gebannt und uns wieder verkrümelt. Ein nationaler Feiertag gepaart mit der erstmaligen Öffnung des Geländes für die Öffentlichkeit sorgten für eine größere Dichte chinesischer Lebensart als wir bereit waren auf uns zu nehmen. Wir wollten es ja nicht übertreiben und das zarte Pflänzchen der Zuneigung unter einem Ansturm von ReNao begraben. Abgerundet durch ein phantastisches chinesisches Essen in einem kleinen Restaurant am letzten Tag in Peking war die Reise ein voller Erfolg.

Wenn ich also in aller Kürze sagen sollte, wie ich sie empfunden habe, die Chinesen – dann so: Von weitem sind sie laut und einfältig und sie sind ohne Rücksicht auf Mensch, Tier oder Umwelt. Von nahem sind sie von rührender Empfindsamkeit, sie sind freundlich und gesellig und großzügig. Das Problem ist, dass man die meisten nur von weitem sieht.

So geht für mich die Zeit hier also mit einer gewissen Altersmilde zu Ende (bin ja schließlich fast vierzig). Zum überzeugten Konvertiten hat es nicht gerreicht aber es ist allemal besser als schreiend davongelaufen.

Für Neuseeland möchte ich, was den Blog angeht, nichts versprechen. Sicherlich wird der eine oder andere Beitrag in unregelmäßigen Abständen kommen und sei es nur, um Euch den Mund wässrig zu machen und sicherzustellen, dass Ihr uns auch besuchen kommt. Wir sind ja nicht aus der Welt – gerade so.

Die Zeit in Shanghai

Saturday, 11. October 2008 08:36

Wir waren jetzt schon drei Jahre hier und haben schon viel erlebt aber jetzt wird es uns einfach zu viel.Als wir in Shanghai angekommen sind haben wir erstmal in einem Appartment gewohnt weil in dem Haus wo wir später mal drinnen wohnen werden es Verzögerungen gab.Es dauerte ungefähr ein halbes Jahr bis wir in unserem neuen Haus ein ziehen konnten.Dann mussten wir erst mal all die Koffer auspacken… und nach ein paar Tagen nach ungefähr einer Woche hatten wir dann ein richtig schönes ungewohntes Haus und einen grossen Garten.

Staebchenmeisterin

Dann verging die Zeit…Die Zeit war eigentlich ziemlich schön hier nur all diese ganzen lauten Geräusche die auf der Strasse waren,und der ganze Dreck überall hat mir nicht so gut gefallen.

Ich finde es trotzdem schade dass wir gehen!

Johanna auf der Mauer

Ade China

Friday, 10. October 2008 22:30

Jetzt ist die Zeit hier schon fast vorbei und ich bin mir nicht sicher, ob ich traurig oder glücklich sein soll  darüber, dass wir nach Neuseeland gehen, das so weit von Freunden und Familie weg ist. Aber es hat auch Vorteile, dort
ein neues Leben anzufangen und neue Freunde zu finden.

Wenn ich so an China und unsere Zeit hier denke, dann kommt es mir vor,als seien wir nur ein sehr ereignisreiches Jahr hier gewesen und nicht zweieinhalb. Ausserdem empfinde ich Zugehörigkeit zu diesem Land, unserem Haus und besonders zu der Schule und all den freundlichen Menschen, die ich getroffen habe. Besonders unsere letzte Reise, in der wir nach Peking geflogen sind, war toll .

Wieso verboten? Ich bin doch da.

Wir haben den gigantischen Kaiserpalast gesehen und sind auf der Chinesischen Mauer entlang gelaufen mit einem Herrn, der vorher schon über 2000 km auf der Mauer gewandert ist. Das war sehr interessant zu sehen, was früher die Verteidiger und die Angreifer gesehen haben.

Ben auf der Mauer

Jetzt sind wir wieder in unserem Haus . Ich nutze in letzter Zeit jeden Moment den ich mit meinen Freunden verbringen kann, denn in zwei Wochen wird gepackt und dann ist auch schon bald der Moment des Abschieds da. Nachdem wir dann aus dem weit entfernten China losgeflogen sind landen wir 12 Stunden später in Deutschland um noch einmal all unser Freunde und Verwandten wieder zu sehen, die wir danach lange nicht sehen werden. Auf diese Zeit freue ich mich schon.

Die Chinesische Mauer

Friday, 03. October 2008 14:41

In der letzten Woche waren wir auf der Chinesischen Mauer die sich über viele tausend Kilometer erstreckt. Es war toll dort zu wandern.
Ich  war erstaunt dass ich so gut mitwandern konnte. Dreimal sind wir zur Mauer hochgeklettert, ich muss ehrlich sagen es war richtig SCHÖÖÖÖÖN . Der Führer war sehr nett und hat viel gewusst. Ich war beeindruckt wie lang und steil und wie gut erhalten die Mauer war und über wie viele Berge sie sich wand.

Blick zurueck  Auf Wanderschaft

Wir wohnten 2 km von der Mauer entfernt  in einem winzig kleinen Dorf auf einem Bauernhof. Wenn ich an das Essen denke läuft mir jetzt noch das Wasser im Mund zusammen. Wir haben ein Baumhaus gebaut und viele Stöcke geschnitzt.

Der Anfang

Wednesday, 17. September 2008 13:49

Dieser Blogbeitrag sollte exakt drei Tage nach dem letzten erscheinen, denn auch wenn Jens darunter leidet, seinen hohen Ansprüchen an die eigene Toleranz und Menschenliebe nicht gerecht geworden zu sein, ist das noch lange kein Grund, unsere gesamte Leserschaft in den mentalen Abgrund zu stürzen um sie dort wochenlang schmachten zu lassen.

Das ist nun leider doch passiert, drei Monate sitzt Ihr nun schon da und weint (wir hatten derweil schöne Sommerferien), höchste Zeit, eine lange Strickleiter hinunterzuwerfen und Euch hinauszuhelfen aus dem finsteren Tal. Denn es gibt Hoffnung!!!

Manche von Euch mögen sich vage an Bilder von Wiesen, Schafen, Stränden und Farn erinnern, die wir Ende Januar in unserem Photoalbum (rechts in der Leiste) abgelegt haben. Leider fehlt der opulente Reisebericht, der natürlich wieder witzig, intelligent und voller Abenteuer gewesen wäre, hätte ich ihn je geschrieben. Hab ich aber nicht, habe ich schlichtweg vergessen. Deshalb jetzt eine kurze Zusammenfassung:

OH, WIE SCHÖN IST NEUSALA! Nicht wahr, Tiger?

Natürlich waren wir nur dorthin gefahren, um Ferien zu machen, aber als sich die Firmen nach zahlreichen rein zufällig zustande gekommen Vorstellungsgesprächen förmlich um Jens gerissen haben, waren wir geneigt, eine Umsiedelung in Erwägung zu ziehen.
Einblicke in das örtliche Schulsystem und nicht zuletzt die Reize der umliegenden Landschaft erledigten den Rest. Es zieht uns nach Neuseeland.

Diese Ereignisse liegen schon ein paar Monate zurück. Seitdem wurden Kalender gewälzt, Verhandlungen geführt, Verträge geschlossen, Umzüge geplant, Konten eröffnet, Kontakte geknüpft, Gesundheitskontrollen erduldet, Visa beantragt, Flüge gebucht, Häuser gesucht und natürlich ohne Ende Pläne geschmiedet. Heraus gekommen ist Folgendes:

Wir packen Mitte Oktober unseren Hausstand ein, nehmen Abschied, fliegen am 22.Oktober nach Europa, küssen dort drei Woche lang unsere Familien und Freunde (bitte jetzt anmelden), setzen uns am 12.November ins Flugzeug nach Hongkong, strecken dort einen Tag unsere Glieder, fliegen weiter nach Auckland und kommen schließlich, so Gott will, am 15.November in New Plymouth, in der Region Taranaki, an. Dort haben wir für die ersten fünf Wochen ein Ferienhaus gemietet, von wo aus wir ein Auto und mit diesem das Haus unserer Träume suchen werden. Die Kinder werden sofort nach der Überwindung der Zeitverschiebung in die Schule gehen, damit sie die Möglichkeit haben, für die Mitte Dezember beginnenden Sommerferien viele Freunde und Freundinnen zu finden.

Und wo ist der Haken?

Neuseeland ist verflixt weit weg von allem, was wir sonst noch lieben: von Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Geschwistern, Onkeln, Tanten, Cousinen, Freunden, Patenkindern, Klassenkameraden, Gartenteichen, Burgen, Kapellen, Maultieren, Heimatdörfern und Shanghai. Und das macht zuweilen traurig.

Unwahrscheinlich, dass der Gartenteich sich auf die Reise macht (hoffentlich auch nicht Shanghai), aber Ihr seid herzlichst eingeladen, unseren Trennungsschmerz zu lindern, indem Ihr uns besuchen kommt. Ich glaube, es wird Euch dort gefallen.

Das Ende

Thursday, 12. June 2008 22:12

Sie haben es geschafft. Dies ist das Ende des Internet. Sie haben offensichtlich alles gesehen was es zu sehen gibt, jeden banalen Witz gelesen, die letzte Spiegel Online Aktualisierung überflogen und Youtube sendet nur noch Wiederholungen. Anders ist Ihre Anwesenheit hier nicht zu erklären. Bitte gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen.

Wie?

Sie warten ehrlich noch darauf, dass der geistreiche Jens noch einmal einen Beitrag einstellt? Sich seiner Freunde erinnert und seines vor Urzeiten gegebenen Versprechens, sie an seinen Erlebnissen und Gefühlen in der fernöstlichen Fremde teilhaben zu lassen? Im Ernst?

Nicht der. Haben Sie es denn nicht gewusst? Der ist schon lange zu eben jener Fraktion übergetreten, die er vor zweieinhalb Jahren noch mit achso überlegener Miene und erhobenem Zeigefinger der Überheblichkeit den Chinesen gegenüber bezichtigt hat. Nur ungern wird er heute daran erinnert, dass er den Verkehr hier virtuos fand, die Menschen freundlich und das Essen lecker. Ganz zu schweigen davon, dass er versucht, durch einen persönlichen, mitfühlenden Einblick ein Gegengewicht zu dem von der europäischen Presse systematisch aufgebauten Feindbild zu bilden – Heute kommt ihm kein gutes Wort mehr über die Lippen, kein neugieriger Blick wohnt mehr in seinen Augen und kein verständiger oder wohlwollender Gedanke verirrt sich zwischen seine Ohren. Wie hoch hätte er wachsen können – wie tief ist er gesunken.

Nein, nein, DEN Jens sollten Sie lieber abschreiben. Er selbst hat es schon längst getan. Der ist nicht mehr geistreich. Der kann sich selber nicht mehr sehen. Solange der hier ist, kommt von dem nichts Gutes über China mehr, und schimpfen mag er auch nicht dauernd.

Da ist er lieber still.

Inselwelten- Teil 2

Friday, 22. February 2008 10:57

Erschütternd aber wahr- ich komme mit den ganzen Inseln nicht mehr hinterher. Da steht der zweite Teil der Philippinenberichterstattung noch aus und schon müssen wir uns wieder von irgendwas erholen. Diese ständigen Urlaube an Traumstränden und deren mediale Nachbereitung fordern mich auf´s Ganze.

Eigentlich sollte der zweite Philippinenteil ausführlich von den Menschen berichten, denen wir auf unserer Reise begegnet sind: interessante, weitgereiste und mutige Menschen, die eine Weltoffenheit und Lebenstüchtigkeit ausstrahlen, die uns beeindruckt und inspiriert hat:

von Dominique und Marina ( er Franzose uns sie Philippina), die ihre Insel trotz der Widrigkeiten mit korrupten Behörden und mafiösen Banden zu einem menschen- und naturfreundlichen Ort machen, ihren Söhne, die schon im Alter von zehn Jahren alleine in Manila wohnten, sich selbst versorgten und in die Schule gingen,

und von Mari, jener Japanerin, die uns in stiller Zurückhaltung die Bedeutung der verschiedenen Zuckersymbole zum Neujahrsfest erklärte und von ihren Töchtern Mami und Medori, die Johanna so schnell ihre Freundschaft geschenkt haben,

und natürlich von Ruaraidh und Charmian, jenen unglaublichen Briten, die es sich mit dem Forschungsinstitut IRRI zur Aufgabe gemacht haben, alle Reissorten dieser Welt (sie sind bei 109 000 Sorten) zu sammeln und archivieren, um so die Versorgung der Weltbevölkerung mit dem wichtigsten Grundnahrungsmittel der Erde zu sichern,

und von ihren Kindern Henry und Alice (18 und 16 Jahre alt), die mit einer Selbständigkeit ihren Lebensweg beschreiten, von der ich in ihrem Alter noch nicht mal träumen konnte,

und von ihrer Wasserschildkröte Hurtle, die uns mit ihren interessierten Menschenaugen begrüßte, als wir über die Sylvesternacht in Ruaraidhs und Charmians Haus eingeladen waren und erlebten, was internationale Gastfreundschaft bedeutet.

Angesichts der sich überschlagenden Ereignisse und meiner knapp bemessenen Zeit als amtierende Expatgattin muss dies leider ausfallen. Ein Jammer! Glücklicherweise hat der Photograph wieder ganze Arbeit geleistet und alles Wesentliche im Bild gebannt.

Man reiche mir die Neuseelandnotizen……………

Inselwelten – Teil 1

Wednesday, 09. January 2008 21:14

Nach dem großen Lichterketten- und Weihnachtsbaumkugelwettrüsten im Advent wird es hier kurz vor Heiligabend merkwürdig still. Der Compound wirkt wie ausgestorben, die Hunde werden statt von Frauchen von der Ayi ausgeführt, die Supermärkte bieten zwei Töpfe Quark zum Preis von einem an und die Verkäuferinnen auf dem Blumenmarkt langweilen sich. Was ist geschehen? Die Expatcommunity hat nahezu geschlossen das Land verlassen, entweder in die Heimat oder in die Sonne.

Wir, so individuell wir uns auch gerne dünken, haben uns in diesem Jahr wieder der Sonnenkarawane angeschlossen. Also flugs Badeanzug und Schnorchel eingepackt und mit leichtem Gepäck zum Flughafen gefahren. Auf zu den Philippinen, wo wir uns mit Dagmar, Sascha und ihren Töchtern Jil (12) und Lynn (8) auf einer klitzekleinen Insel zum Weihnachten feiern verabredet hatten!!!

Schon bei unseren Reisevorbereitungen schwante uns, dass die von uns erwählte Insel Pandan gleich neben der südlich von Luzon gelegenen Insel Mindoro zwar touristisch gesehen recht jungfräulich ist, das aber auch gute Gründe hat. Es ist nämlich verflixt schwierig, dorthin zu kommen.

Ich fasse mich kurz: Abfahrt zum Flughafen um 22 Uhr abends, Flugzeug nach Manila um 1 Uhr nachts, Ankunft in Manila 4.30 Uhr morgens, Abholung durch unsere Inselgastgeber, Beladen eines Kleinstbusses auf maximales Fassungsvermögen (3 Fahrer, 9 Passagiere, 12 Rucksäcke, sechs Truthähne, Wein, Spirituosen und der Lebensmitteleinkauf für 50 Inselbesucher mit großem Appetit auf üppige Weihnachts- und Sylvesterbuffets nebst gelegentlicher Zwischenmahlzeiten, also morgens, mittags und abends). Start in Richtung Insel mit diversen Zwischenstops zum Nachfüllen von Bremsflüssigkeit, diversen Zwischenstops zum Reparieren der Bremse hinten links und diversen Zwischenstops zum Reparieren der Bremse hinten rechts. Derweil fahren die 9 Uhr und die 12 Uhr Fähre ohne uns. Auf der 14 Uhr Fähre kleine Reparatur der Bremsen hinten links und hinten rechts. Nach 2 1/2 Stunden Ankunft im Hafen von Abra de Ilog und zwischen den Zwischenstops zur Bremsenpflege kleinere Etappen in Richtung Süden. Kinder müde und hungrig, Jens platzsparend gefaltet und Muttern Migräne. Evakuierung des Fahrzeugwracks und Beladen eines neuen Kleinstbusses. Weiterfahrt auf Schotterpisten, Fluchtversuch einiger Truthähne und Weinflaschen durch einen gewagten Sprung vom Dach, Einsammeln der Ausreißer, erneutes Beladen. Ankunft in Sablayan um Mitternacht. Umladen von Passagieren und Gepäck in eine Nussschale, nächtliches Umschiffen diverser Sandbänke, Ankunft nach 27 Stunden Reisezeit auf Pandan. Noch Fragen?

Ein Blick auf die Insel am nächsten Morgen reichte, um uns die vorangegangenen Wahnsinn vergessen zu lassen. Ich spare mir schwelgerische Beschreibungen von Wasser, Sand und Palmen. Wer es genauer wissen möchte kann sich auf der Internetseite oder in unserem Photoalbum (rechts in der Leiste) informieren. Schön, oder?

Und die Welten, wo waren die?

Na, zum Beispiel unter Wasser. Was von oben wie eine große blaugraugrün schwappende Masse aussieht ist unter der Oberfläche unglaublich bunt und lebendig. Mit Schorchel, Brille und Flossen konnten wir direkt vom Strand aus ins Wasser gehen und die großen Meeresschildkröten besuchen, die in Schwimmnähe auf dem Meeresboden saßen und Seegras grasten. Ungefähr acht Stück von ihnen leben um Pandan herum und ertragen staunende Besucher mit großer Langmut. Etwas weiter um die Insel herum beginnen dann die Korallenriffe, flach genug, um von der Wasseroberfläche aus betrachtet zu werden. Ich bin beim Tauchen eher ein Hasenherz und muss mich manchmal etwas aufraffen, mich in diese fremde Welt zu trauen. Weiß ich, ob der hübsche blaue vor mir nicht ein Keulfisch ist, der mir mit einem Schnellangriff seine Nase in den Arm rammt, um ihn zu brechen? Und die schwarz gelb geringelten Seeschlangen da unten, die sehen schön aber doch irgendwie giftig aus (sind sie auch). Das grüne Batt da vorne könnte auch ein Scorpion Leaf Fish sein, schnell weg hier, und der Lionfisch wird auch nicht gerne gestreichelt sondern jagt einem ein paar saumäßig giftige Stacheln ins Fleisch, wenn man ihm zu nahe kommt. Aber dann sind da noch die unzähligen in allen Farben schimmernden großen, kleinen, langen, kurzen, dicken, gestreiften, gesprenkelten, karrierten Fische, Seesterne, Igel, Muscheln und Schnecken die so gutmütig mit mir ihr Wasser teilen und sich ganz ohne Arg bewundern lassen. Und so schwanke ich zwischen Skepsis und Faszination.

Ganz anders Jens und die Kinder. Sie sind einfach nur glücklich und neugierig im Wasser, mutig und offen. Sie schwimmen zu zweit oder dritt hinaus, bleiben lange weg und sprudeln beim Wiederkommen noch mit Brille auf der Nase ihre Entdeckungen heraus.

Sehnsucht bei der Buddelfraktion Schmuecken der Meerjungfrau Strandmeditation

Alle außer mir und Johanna haben alle einen Schnuppertauchgang gemacht (ich nix Druckausgleich, Johanna nix alt genug). Der war anscheinend toll, denn Ben, Jil und Sascha haben sich gleich darauf zum Tauchkurs angemeldet und mit der ersten Theorieeinheit begonnen. Die anderen Kinder standen ein bisschen traurig daneben, aber sie sind halt noch zu jung. So war unsere Gruppe für vier Tage zweigeteilt, in die Tauchbüffler nebst Jens als Coach und die Sandbuddler. Abends im Holzhaus wurde die Theorie wiederholt und wir wissen jetzt alle, wie die Handzeichen für “ich habe nur noch wenig Luft” und “ich krepiere” gehen. Nachdem am vierten Abend alle drei Tauchschüler die Theorieprüfung geschafft hatten ging es am nächsten Tag zum Tauchen und Schnorcheln ans Apo Reef, einer 25 km langen Korallenwand mit allem, was gerne darin kreucht und fleucht. Die Taucher haben zwei Tauchgänge gemacht und danach begeistert erzählt, dass Ben fast mit einem Hai kollidierte und wie süß die Meeresschnecken seien. Ein Grund mehr für Anton und Johanna, sich auf ihren 12. Geburtstag zu freuen.

Antons erster Tauchgang Ben: Open water diver

Dagmar und ich haben an einem der Büffelnachmittage Sablayan besucht, das Fischerdorf und Handelszentrum von Mindoro Occidental. Direkt am Meer auf einer Sandbank wohnen die ärmsten Familien in einfachen Pfahlhütten aus Holz, Treibgut und Müll. Untendrunter schläft das Schwein, innendrin wohnen die Menschen. Reichtum bedeutet hier ein Boot, viele Kinder und ein Kühlschrank auf Pump. Von der Sandbank führt eine Hängebrücke hinüber zum Markt, einer Betonhalle vollgestopft mit Fischen, Gemüse, Haushaltswaren und Plastiksandalen. Hierhin kommen die Fischer und Bäuerlein aus der Umgebung um ihre Erträge gegen ein paar knittrige Geldscheine zu tauschen. Rund um die Markthalle breitet sich das Städchen aus, kleine flache Gebäude mit Fliegenvorhängen vor den Türen und einem Streifchen Garten drumherum. Im einen wird Holzkohle gemacht, im nächsten ein Kind gestillt, dort steht ein großer Wog auf dem Feuer und etwas weiter hauen die Männer Holz für ein Boot zurecht. Es herrschen bescheidenste Lebensverhältnisse, dennoch zeugen Blumen in Blechdosen und Orchideen in Kokosnussampeln von dem Bedürfnis, sich mit Schönheit zu umgeben.

Die wenigen großen Gebäude sind für die bestimmt, die es in großer Zahl gibt. Vier Schulen nehmen den Kindersegen auf, mehrere große Kirchen die Gläubigen. Zur Weihnachtsmesse um 8 Uhr morgens war die katholische Kirche des Ortes randvoll mit Menschen in frisch gewaschenen Kleidern und Süßigkeiten schleckenden Kindern gefüllt.

Autos sind auf den staubigen Straßen eher selten, dafür gibt es Tausende von aufgemotzten Motorrädern mit Seitenwagen, das Transportmittel schlechthin. Darauf passen wahlweise drei Schweine und acht Personen oder zehn Personen, 6 Hühner und zwei Matrazen, oder aber auch acht Kinder und…………………………………

Beim Gang durch die Stadt, leider wieder ohne Tarnkappe, werden wir freundlich gegrüßt und angelächelt. Die mutigsten der vielen barfüßigen Kinder halten uns ihre Hand entgegen und fragen mit lachenden Augen nach “money money”. Die mutigsten der Erwachsenen wünschen “Merry Christmas” und schütteln uns die Hand.

Strassenszene in Sablayan Huetten in Sablayan

Der schöne Schein

Friday, 21. December 2007 21:30

Weihnachtszeit! Lieder klingen, Kerzen brennen, Kränze duften. Der Weihnachtsmarkt lockt mit Punsch, Printen und Kunsthandwerk. Die Stadt erstrahlt im Lichterglanz. Auch hier.

SIIIIIIILENT NIIIIIIGHT Weihnachten im Compound

Die Chinesen entdecken den Segen des Weihnachtsfestes. Sie haben das tiefe Bedürfnis ihrer nichtchinesischen Mitbürger nach weihnachtlicher Besinnlichkeit erkannt und mühen sich nach Kräften, es uns an nichts fehlen zu lassen. Hier gibt es alles: Lebkuchen, Kränze, Engel, Kerzen, Adventskalender, Ferrero Rocher, Glühwein…………., eine reiche Auswahl an Baumschmuck verführt zum Ausmustern alter Bestände, farbig glasiertes Geschirr mit Rentieren, Schneemännern und Mistelzweigen lässt Herzen höher schlagen. Aus Deutschland wird berichtet, dass dort die Tannen knapp seien weil ganze Wälder nach China und Saudiarabien verkauft wurden. Keine Sorge, Ihr lieben Brüder und Schwestern daheim, die Symbole immergrüner Hoffnung stehen in unseren Wohnzimmern und stillen unsere Sehnsucht.

Schon in Deutschland ist es mitunter schwierig, vor lauter äußerlicher Weihnacht die innerliche zu begreifen. Hier ist man von jeglichem Druck befreit, danach zu suchen. Es gibt sie einfach nicht. Halleluja!

Dass die Chinesen Meister des Plagiats sind ist keine Geheimnis. Sie kopieren alles, was Geld verspricht und sich nicht wehrt. Dabei kommt es kaum auf die inneren Werte an, viel wichtiger ist das Aussehen. Quantität vor Qualität. Außen Hui, innen Pfui.

Da kann es schonmal sein, dass an dem neuen Samsonite Koffer nach einer Woche der Griff abreißt, dass die Fleischfüllung der Dumplings großzügig mit Unvorstellbarem gestreckt wurde oder Lebensmittel mit hochtoxischen Mitteln konserviert werden. Zum Ruhme des chinesischen Volkes werden mal eben ganze Wohnviertel platt gemacht, denn pünktlich zur Olympiade in Peking oder zur Expo in Shanghai soll ja alles hübsch sein. Ich muss nur an den Unrat unter unserem gartenkataloggrünen Rollrasen denken, um der Versuchung zu widerstehen, die Früchte unseres Feigenbaumes zu probieren. Aber schön, ja schön sieht`s aus.

Ach, wenn sie doch mit jeder Kerze, Printe, Christbaumkugel ein Fünkchen Mitmenschlichkeit kopieren würden, was würde wohl geschehen?

Vielleicht käme ein einziger Autofahrer auf die Idee, dem Drängler von links aus freien Stücken die Vorfahrt zu gewähren. Dieser wieder würde vor lauter Erstaunen beim Rechtsabbiegen auf die Straßenüberquerung einer alten Dame warten. Die Gute käme ohne Schreck nach Hause und schenkte ihrer Nachbarin ein paar Glückskekse ohne sich im Stillen schon das Gegengeschenk auszumalen. Die Nachbarin ist gerührt von dieser selbstlosen Tat und spielt ein halbes Stündchen mit ihrem vierjährigen Enkelkind. Wenn dann abends die Eltern von der Arbeit kommen ist die Alte noch ganz beseelt von der frischen unverbogenen Kindlichkeit und gibt den Eltern zu bedenken, dass das Enkelchen vielleicht zu jung sei, um im zwei Tagesreisen entfernten Peking in einer Turnerschmiede auf die Olympiade 2012 gedrillt zu werden. Ganz beglückt von der Aussicht, vielleicht doch sein Kind bei sich behalten zu können, trägt der Vater seiner schwangeren Schwägerin einen Eimer Wasser in den Hof. Als diese das Strahlen im Gesicht des Mannes sieht kommt ihr die plötzliche Erkenntnis, dass sie sich auch über die Geburt eines Mädchen freuen würde. Mit diesem erleichternden Gedanken fährt sie am nächsten Morgen zur Arbeit, bremst und winkt freundlich ihren Nächsten in die vor ihr entstehende Lücke.

Ich könnte endlos weiterschreiben………………………………………………………………………………………………………….

Auch in Europa findet Weihnachten hauptsächlich an der Oberfläche statt. Sie ist geschmückt, glänzt und strahlt und verbirgt nicht selten die innere Leere. Viele Menschen feiern heute das Weihnachtsfest eher aus Tradition denn aus tiefer Gläubigkeit. Jedoch, ein Glück, wir haben sie, die christliche Tradition, die uns lehrt, dass jeder Mensch einzigartig und kostbar ist. Und diese darf nach Herzenslust kopiert werden.

Frohe Weihnachten!